Herzlich willkommen bei Claudi Feldhaus auch bekannt als Kakaobuttermandel

tapferes Schreiberlein - Energiebündel - Kullerauge

Erst wenn die Neugierde stirbt, wird ein Mensch alt.

Zum Altwerden hab ich definitiv den falschen Beruf gewählt!

Claudi Feldhaus

Neueste Blogs

Do

15

Sep

2016

Alle Sommer wieder

Die Sonne scheint wärmer. Menschen sehen schöner aus, inklusive dir selbst. Alle sind plötzlich nett und lächeln.

Die Musik klingt besser, überall hörst du die Lovesongtexte und findest sie überhaupt nicht unglaubwürdig.

Dir fallen freundliche Hunde auf, die du völlig selbstverständlich streichelst.

Du brauchst für lange Bahnfahrten kein Buch, auch nicht wenn du sitzt und irgendwo wartest. Nicht mal dein Smartphone als Unterhaltung.

Denn du bist viel zu beschäftigt damit, wie ein Vollidiot zu grinsen, und dich über jeden Scheiß zu freuen.

Sobald dir sogar das Glitzern des Asphalts neben den weggeworfenen Zigarettenstummeln in der Sonne auffällt - herzlichen Glückwunsch: Du bist verknallt!
Willkommen im Tal der Deppen; der Wolke sieben, wo die anderen Arschgeigen wie du hängen. Genieße es!
Das meine ich ganz ernst.

Und sogar der sich sonnende Hund fällt dir auf ...
Und sogar der sich sonnende Hund fällt dir auf ...

Sa

03

Sep

2016

Du kannst nichts dafür

 

»Kann ich doch nix für!«, schreist du und meinst das, was die Nazis in den 40ern taten. Oder, dass die Anderen wegschauten. Dass deine Großeltern höchstwahrscheinlich einer dieser beiden Gruppen angehörten.
Du kannst nichts dafür, dass die Erde auf der wir gehen, wieder und immer wieder vom Blut unserer Ahnen durchtränkt wurde. Dass unsere Ahnen diejenigen waren, die das taten.
Ich sage gar nicht, dass du etwas für diese ganze schreckliche Geschichte kannst.

Wenn wir Menschen eines aus der Geschichte lernen, dann, dass wir Menschen aus der Geschichte nichts lernen.

Aber du kannst auch nichts dafür, dass du einfach Glück hattest. Dass deine Eltern sich entschieden haben, auf deutschem Boden zu vögeln. Dass du mit deiner Geburt innerhalb deutscher Grenzen gewisse Rechte erhältst, von deinen Millionen Menschen auf diesem Planeten träumen. Dass du in einer verhältnismäßig sicheren Zeitspanne aufgewachsen bist. Dass in deiner Kindheit kein Krieg herrschte. Dafür kannst du nichts!

Du kannst nichts für die kulturellen und geistigen Errungenschaften derer, die auch nur zufällig innerhalb der gleichen Grenzgebiete wie du geboren wurden. Dessen Lebensumstände ihnen genug Sicherheit zugestand, sich zu bilden und selbst zu verwirklichen. Um dann Großes für ihre Heimat zu vollbringen, sie zum Land der Dichter und Denker machten. Du teilst dir zum Glück mit ihnen die Nationalität. Dafür kannst du nichts.
Worauf also bist du stolz?

Schämen für die schlechte Seite der Vergangenheit dieses Landes willst du dich nicht.

Verständlich, weil du ja nichts für sie kannst.
Warum aber bist du stolz auf die gute Seite unserer Vergangenheit?

Unverständlich, weil du ja nichts für sie kannst.

 

Du kannst etwas für das, was du tust.
Wofür du dich entscheidest, dafür kannst du was. Wovon du deine Entscheidungen abhängig machst, dafür kannst du was. Ob du dich informierst, ehe du dich entscheidest, auch dafür kannst du was.
Komm aus der Ecke heraus, in die du dich gestellt fühlst. In die Nazi-Ecke. Komm heraus und beweis uns das Gegenteil.
Nutze dein Geburtsrecht auf Sicherheit und Bildung und verwirkliche dich.
Sieh was die Geschichte dieses Landes dir erzählt. Mach es besser als deine Vorfahren. Denn dafür kannst du was.
Gestalte dein Leben, verbessere es für andere. Nutze die Freiheit zu entscheiden, wie du deinen Tag verbringst; was du mit dem unternimmst, was dir geschenkt wurde.

Denn mehr ist es nicht. Ein verdammtes Geschenk. Du hast das Glück, dein Leben als Geschenk ansehen zu dürfen. Weißt du, wie viele Menschen davon träumen?
Ob du mit diesem Geschenk das Leben anderer bereicherst – dafür kannst du was.
Und dann lernst du den Unterschied kennen. Fühlst Stolz, auf den du stolz sein kannst.
Du glaubst ja nicht, die nichtig Nationalstolz dagegen noch wirkt.

Di

02

Aug

2016

Laufen wie ein Mädchen

»Lauf!«

Und ich laufe und laufe. Der Befehl kam aus mir heraus.
Ich atme ruhig, mir ist heiß. Ich spüre meine Muskeln, wie sich meine Oberschenkel unter dem Stoff immer wieder anspannen.
Die eine Sohle trifft den Waldboden, dann die andere. Drei Schritte - einatmen, drei Schritte - ausatmen.
Vögel singen, die Luft ist unglaublich. Rein nach dem Regen.
Musik im Ohr. »Work Bitch!«, brüllt Britney mir ins Ohr und das tue ich. Immer weiter.

 

Ich sehe mich selbst vor 20 Jahren.
Klein-Claudi sitzt als Letzte auf der Bank, als die Mannschaften für Völkerball gewählt werden.
Claudi, die als letzte ins Ziel läuft, die es nie schafft, die Stange hochzuklettern, die schuld ist, wenn ihre Gruppe beim Staffellauf verliert. Die für ihre ungelenken langen Glieder belächelt wird. »Dünn und groß«, betitelte mich der Sportlehrer, »Ausdauer und Kraft hat Se halt keine.«
»Muße ja auch nicht«, erwiderte die Klassenlehrerin und sah mich mitleidig an, »is eben n Mädchen!«

Das Mädchen von damals hat heute definierte Oberarme. Das Mädchen, dessen Beine mehr als ihr Eigengewicht wegstemmen.
Wie gerne würde ich meinen Lehrern von damals auf die Schnauze hauen. Ihnen zeigen, was ich beim Body-Combat und Wing Tsun gelernt habe. Seitdem mir meine Lehrer endlich Antrieb geben, mich ermuntern auszuprobieren. Und mich dann nicht stoppen wollten.

 

Das Mädchen, das die Bücherkisten in den 4. Stock schleppt.
»Sieht man dir gar nicht an, dass du so anpacken kannst«, sagen die andern Umzugshelfer.
»Warum nicht?«, frage ich gereizt und vermute schon, weil ich ein Mädchen bin.
»Du siehst eher wie so ne Intellektuelle aus. Aber is doch geil, wenn de beides kannst!«

»Lauf!«, erklingt es wieder und ich laufe.
Meine Muskeln brennen aber ich laufe weiter - laufe wie in Mädchen. Zielgerichtet, ausdauernd, den Schmerz ignorierend. Ja, das ist schon ein bisschen geil.

Sa

30

Jul

2016

Marshmallow

 

Als eine der vielen Symptome von PMS erfreuen sich Frauen auch an Mastodynie, deren Namen ich erst seit Kurzem benutze und der ich diesen Artikel widme. Denn aus Gründen habe ich mich in den letzten Tagen im Selbstversuch intensiv mit meiner beschäftigt.


Alle paar Wochen überrascht mein Körper mich mit einer grundlegenden Veränderung. Er wird weich, aufgedunsen, schwer, empfindlich. Mache ich normalerweise eine schlanke, agile Figur, bremst mich diese Zeit doch arg aus.
Ich verhüte u.a. mit der Hormonspirale, Nebenwirkungen des weiblichen Zyklus bleiben mir also weitestgehend erspart. Ich will gar nicht wissen, wie sehr die Mastodynie mich heimsuchen würde, wäre ich all naturell unterwegs!

Richtig bewusst wurde sie mir erst nach und nach, seitdem ich Sport mache. Denn es fällt schon auf, wenn der Körper - sonst sportlich und straff - plötzlich zum Marshmallow anschwillt. Wir reden von 3-7 Kilo Wassereinlagerungen, die sich fröhlich in Schenkeln, Füßen, Fingern, Brüsten und Bauch sammeln. Die einfach passieren, egal wie brav ich bin. Dafür sorgen, dass ich mir meine Lieblingsklamotten nicht passen. Dass ich meinen Ring nicht anstecken kann. Dass sich Zysten im Brustgewebe bilden, anschwellen und sehr schmerzhaft ausstrahlen. Dass meine Brüste schwer sind und immer wehtun vor allem bei Berührung, so dass ich eigens für diese Tage größere und superbequeme BHs anschaffen musste. Und in die ich abends Kühlpackungen packe, um mich wenigstens kurz zu entspannen.

Ich konsultierte meine Ärztin diesbezüglich vor fünf Jahren zum ersten Mal. Sie empfahl mir Tröpfchen. Und aushalten.
Die Tröpfchen (Mastodynon) halfen nur in einem gewissen Grad. Ich belas mich selbst und stieß irgendwann auf die Erkenntnis, dass es einigen Frauen hilft, in dieser Zeit Genussmittel wegfallen zu lassen. Ich, die schon keine Tiere isst, nicht raucht, nicht säuft, sollte nun also auch noch auf Schoki und Kaffee verzichten. Einen Versuch war es wert. Ich ließ meine beiden besten Freunde weg und ... wurde knatschig, fraß haufenweise Gummitiere als Ersatzhandlung, aber das Symptom trat tatsächlich schwächer auf. Dennoch hielt es so zwei Wochen lang an.


Genervt kaufte ich, als es das nächste Mal kam, Entwässerungsdragees. Die, die es in der Drogerie gibt. Stärkere wollte mir die Apothekerin ohne Rezept nicht geben. Außerdem trank ich massenweise Brennnesseltee. Doch es half nichts, trotzdem ich ständig aufs Klo rannte.
Meine Ärztin erzählte mir wieder nur was vom Aushalten, so schlimm kann es schließlich nicht sein. Normalerweise ist sie ziemlich cool und fortschrittlich, darum enttäuschte mich ihre Sicht an der Stelle schon sehr.

Ich ging also zu meinem Hausarzt, der immer mal ganz gute Ideen außerhalb der Schulmedizin hat, der gerne über den Tellerrand schaut. Als ich ihm von den Entwässerungskuren erzählte und dass ich gerne ein Rezept für eine stärkere hätte, erlitt er fast einen Herzkasper. Sofort wurde mein Blutdruck gemessen, der ohnehin stets niedrig ist. Dann wurde ich etwas gerügt. Eine Frau meiner Statur bringe sich ernsthaft in Gefahr, wenn sie auch künstlich noch entwässert.
Die Oberschwester nahm mich an die Seite, befühlte meine Schienbeine und sagte: »Schauen Sie, hätten Sie Entwässerung nötig, wären die ganz dick. Elefantenbeine. Bei Ihrem Blutdruck und Ihrer Figur sind wir doch so froh, dass Sie ausreichend trinken. Brennnesseltee erlaube ich Ihnen. Aber bitte keine Dragees mehr, ja?«
Mit hängenden Ohren verließ ich die Praxis, die Dragees liegen seitdem unangetastet in der Medizinschachtel.

Letzten Sonntag merkte ich, dass es wieder losging. Ausgerechnet in meiner Urlaubswoche sollte es keinen Kaffee und keine Schoki geben!
Für den nächsten Tag war ich mit Katja bei Ikea zum Frühstück verabredet. Ich verzichtete also brav auf den Gratiskaffee und die Schokoeierkuchen, nahm nach unserm Einkauf in dem schicken Café im Gewächshaus keinen Milchkaffee und fühlte mich heldenhaft. Stattdessen konsumierte ich die anderen Süßspeisen vom Frühstück und sehr viel lecker Rührei.
Zuhause begann ich dann die eingekauften Möbel aufzubauen, meine Heizung in ein Vintage-Kunstwerk zu verwandeln, Fenster zu putzen, rumzurennen. Was ich eben im Urlaub so mache. Doch als ich nicht mal die Hälfte der geplanten Arbeiten geschafft hatte, erschlug mich die Müdigkeit.
Sie ist ein weiteres Symptom von Mastodynie. Ich beobachte, dass ich in dieser Zeit sehr behände vorankomme, vieles zu schnell zu anstrengend wird, ich oft schwitze. Zu dem Zeitpunkt war meine Statur aber recht normal. Bis auf meine schweren Brüste und den kleinen Bauch hatte ich gedacht, ich habe es im Griff, weil ich doch ganz brav auf Kakao und Koffein verzichte.
Ich ließ die Arbeit Arbeit sein und bettete mich für ein Schläfchen aufs Sofa. Die Katze kam dazu, alles war schön. Als ich drei Stunden später erwachte, war ich der Blob.

Mein Körper war so schwer und starr, dass ich Probleme hatte, aufzustehen. Meine Klamotten waren komplett durchgeschwitzt, mein Bauch aufgebläht wie ein Wasserballon, jedes Glied tat weh. Ich schleppte mich ins Bad, was ich im Spiegel sah, war einfach nur krass.
Während ich mir Frauen-Balance-Tee und Brennnesseltee kochte, konsultierte ich Frau Google. Diesmal fragte ich sie nach den Symptomen, sie spuckte mir die Begriff Mastodynie aus, den ich ab dann erst als Wort auch benutzte. Ich las innerhalb von einer halben Stunde etwa zehn Fachartikel, die ich in der Konstellation aus Begriff und Symptomen fand. Sie alle unterschieden sich etwas, in Hinsicht auf die Tipps zu Besserung.

Doch was sie alle einten: Viele, etwa sechs von zehn Frauen leiden darunter. Es gibt keine Pille dagegen. Die Damen werden darum gebeten, auszuhalten.
Wie so oft ist es die Aufgabe der Frau, zu erdulden. Ich stellte mir kurz vor, wie das wäre, wenn dies ein typisches Männerleiden wäre. Seit Jahren wäre irgendein geiler Chemiecocktail auf dem Markt, der mir ermöglicht, mein normales Leben in meinem normalen Tempo fortzuführen. Dank dem ich z.B. ganz einfach laufen gehen kann und nicht wegen zu schmerzender Brüste verzichten muss.

Die Artikel wiesen neben den sogenannten Genussmitteln jeweils auf andere Nahrungsmittel hin, die das Symptom verschlimmern.
Ich möchte hier nun keine Quellenangaben erbringen müssen, denn was ich mir zusammenschusterte, habe ich den Rest der Woche ausprobiert und bei mir hat es funktioniert.
Ich bekam nämlich raus, dass es wohl das süße Frühstück bei Ikea war, das mich so zugerichtet hatte. Denn bitteschön tierische Eiweiße und Weißzucker wirken sich zusammen mit Mastodynie ganz schlecht aus.
Der nächste Artikel riet überdies vom Konsum salziger Speisen ab.
Ballaststoffreich dürfte die Ernährung sein, wenn es um Reis geht. Reistage sollte ich einlegen, aber bitte auf Mehl, also Brot verzichten. Ich könnte nun weiterhin aufzählen, was frau* alles nicht dürfen soll. Doch ich selbst dachte etwa bei Artikel Nummer 6: »Okay, ich merke mir jetzt nur noch, was während Mastodynie gut ist.«
1. Kräutertee
2. Reis
3. Obst und Gemüse
4. Sport (bei dem die Brüste nicht wackeln)
Das war‘s!

Da ich auch nichts Gebratenes essen durfte, dämpfe und koche ich mir also seit sechs Tagen Reis mit Gemüse und esse Obst dazu. Zum Glück gibt es gerade Wassermelone, die verschlinge ich statt Süßigkeiten. Ich salze wenig, scharf ist offensichtlich ebenfalls nicht gut. (Stellte ich fest, nachdem ich in einem vegetarischen Lokal Reis mit gedämpften Pilzen gegessen habe. Aber vielleicht war einfach Ei in der Soße?)


Ja, die kleine Claudi macht ihren Haremshosen und dem Hipsterpüppel (Dutt) alle Ehre, denn sie ist gerade als Hardcore-Veganerin unterwegs. Wenn irgendwo Milch dran war, meldet sich meine Mastodynie pünktlich wie ein Uhrwerk!
Im Selbstexperiment also liebe Damen und Sternchen konnte ich herausfinden, dass es funktioniert!
Wenn mich die Mastodynie das nächste Mal heimsucht, wenn ich im Büro bin, muss ich mir morgens Reis kochen und Gemüse dämpfen und das dann zum Mittag mitnehmen, statt mir einfach lecker Nudeln zu holen oder mir ein Brot zu schmieren. Selbstmitgebrachtes Essen ist für die Kollegen immer sehr interessant, aber ich denke, sobald ich denen sage, dass das Zeug nicht gesalzen ist, werden sie mich in Ruhe lassen.

Heute geht es mir übrigens besser, offensichtlich ziehen sich die Hormone zurück, meine Schenkel straffen sich, die Zysten in den Brustdrüsen schwellen ab, Brüste und Bauch werden wieder klein. Da für den Abend etwas Romantik geplant ist, passt mir das ganz gut.
Ich hoffe, ich kann morgen dann auch endlich wieder laufen gehen!

Übrigens versuche ich dieses Symptom nicht als meinen Feind zu sehen. Ja, es bremst mich aus, es schwächt mich. Oder ich könnte sagen: es entschleunigt mich, bringt mich dazu, auf mich zu achten. Natürlich ist es nervig und ich will schreien, vor allem wenn ich mitten in einer arbeitsreichen Zeit Mastodynie kriege. Doch lerne ich nach und nach, damit umzugehen.
Mastodynie zwingt mich zu einer langweiligen, aber sehr gesunden Ernährung, dazu mal durchzuatmen und fünf Gänge runterzuschalten. Vielleicht kann ich ihr eines Tages dafür dankbar sein.
Das wird in etwa der Tag sein, an dem ich Kaffee über habe und Schokolade mir nicht mehr schmeckt ...